Erfolgreiches Marketing muss immer wieder neue Begriffe prägen, um technische Neuerungen vorzustellen und zu verkaufen. Derzeit begegnet einem immer wieder die Umschreibung “Intelligentes Licht”. Dabei geht es allerdings nicht darum, den IQ einer Lampe zu ermitteln, sondern vielmehr um gut durchdachte sowie kreativ entwickelte technische Neuerungen und Lösungen führender Leuchtenhersteller

Nachdem der alten Glühbirne bereits der Garaus gemacht worden ist, verschwinden nun nach und nach auch fast alle anderen Leuchtmitteltypen vom Markt, die nicht mehr den aktuellen Energieeffizienz-, Sicherheits- und Umweltkriterien entsprechen. LED-Leuchten haben aufgrund der inzwischen allgemein bekannten Vorteile Hersteller wie Verbraucher überzeugt und sind dabei, die althergebrachte Konkurrenz vollständig zu verdrängen.

Leuchtdioden-Technologie ist derzeit das Nonplusultra

Die ursprünglichen Kritikpunkte an der neuen Beleuchtungstechnologie, unter anderem Leistungsschwäche, sind mittlerweile durch technische Weiterentwicklung weitgehend gegenstandslos gemacht. Anfänglich waren die Leuchtdioden nur in der Lage, kaltes bis blauweißes Licht zu erzeugen. Das entspricht eine Farbtemperatur von ungefähr 6000 bis 6500 Kelvin. Bis dahin übliche Leuchtmittel, wie beispielsweise die ausgemusterte Glühbirne, strahlen ein wesentlich wärmer empfundenes Licht im Bereich von 2500 bis 3000 Kelvin ab. Dadurch wurde eine Beleuchtung per LEDs der ersten Stunde von vielen für eine wohnlich Atmosphäre als zu unbehaglich empfunden.
Das ist heute jedoch Schnee von gestern. Aktuelle LED-Leuchten findet man inzwischen in vielfältigen Formen, für die meisten Fassungsformen, mit allen gebräuchlichen Farbtemperaturen und in jeder gewünschten Farbe. Neben der hohen Energieeffizienz, langen Lebensdauer und guten Umweltverträglichkeit haben sich Leuchtdioden zudem als überaus schaltfest erwiesen und sind in der Regel auch dimmbar. Das macht diesen Leuchtentyp besonders interessant für gesteuerte Beleuchtungssysteme.

Moderne LED-Lampen können nicht nur das gesamte Temperaturspektrum verschiedener Weißtöne abstrahlen, sondern auch jeden erstrebten Ton des Farbspektrums erzeugen. Im Fachhandel findet man neuerdings RGB-LED-Lampen mit einer zugehörigen Fernbedienung, welche dazu dient, die jeweilige Leuchte aus der Entfernung ein- oder auszuschalten, sie je nach Wunsch zu dimmen sowie einen Farbton auszuwählen.

Beleuchtungssysteme steuern intelligent

Wer interessiert ist, aber mehr will, sollte einmal moderne LED-Beleuchtungssysteme ins Auge fassen und unter die Lupe nehmen. Verschiedene Hersteller, u.a. Elgato, Gigateq Limited, IWY, LG, Pearl, Philips und Samsung, haben bereits entsprechende Systeme auf den Markt gebracht oder aber stehen kurz davor. “Philips Hue” oder “Osram Lightify” sind beispielsweise in der Lage, bis zu 50 LED-Lampen miteinander zu vernetzen, und lassen sich über ein Smartphone oder ein Tablet (fern)steuern. Philips wie Osram verwenden dafür eine sogenannte “Bridge”, die entweder durch ein LAN-Kabel (Hue) oder per W-LAN (Lightify) mit einem Internet-Router Verbindung aufnimmt, wodurch das Smartphone mit Hilfe einer speziellen App zur komfortablen Fernbedienung wird.

Helligkeit, Temperatur und Farbe des jeweils gewünschten Lichts lassen sich auf diese Weise für jede einzelne angeschlossene LED von wo aus auch immer bestimmen. Natürlich können auch verschiedene Beleuchtungsszenarien erstellt, abgespeichert und mit einem Tastendruck wieder abgerufen werden. Kombiniert man die Szenarien noch mit einem Timer, geht alles vollautomatisch. Beide Hersteller liefern für die Erstellung solcher systematisch geregelter Szenarien sowohl LED-Lampen im alten Glühbirnendesign als auch LED-Lichtbänder, sog. Stripes, die verklebt werden können. Beiden Systeme sind auch deswegen empfehlensert, weil sie schnell und leicht selbst installiert werden können.

Eine vergleichbare Alternative stellt das CasaControl-System von Pearl dar, da es steuerungsseits auf der gleichen Funktionsweise beruht und ähnlich viele Regelungsmöglichkeiten bietet. Im Gegensatz zu den drei erwähnten Produkten verfügt bei IWY Light jede LED-Lampe über ein eigenes WLAN-Modul, so dass das System auch ohne Anschluss an einen zentralen Router betrieben werden kann. Als Bonus oder Gimmick, je nachdem wie man es sehen will, gibt IWY noch eine Lichtorgelfunktion obendrauf.

Es geht noch mehr im modernen Eigenheim. Kombiniert man ein solches Lichtsystem mit einer Smarthome-Lösung wie Quivicon, lassen sich erweiterte Funktionen einstellen und nutzen. Bewegungsmelder können so strategisch positioniert werden und zur automatischen Auslösung des entsprechenden Lichtszenarios verwendet werden. Das kann zur komfortablen Beleuchtung bestimmter Wegstrecken rund ums Haus bei Dunkelheit dienen oder auch zu einem Alarmszenario bei unerwünschtem Besuch führen. Man kann das Beleuchtungssystem aber auch dazu einsetzen, das Zuhause bewohnt aussehen zu lassen, obwohl die Bewohner eigentlich abwesend sind.

Neue LED-Lampen mit Zusatzfunktionen

Die Weiterentwicklung technischer Details für solche “intelligent” gesteuerten Systeme geht weiter: Die per Crowd-Funding realisierten Lampen von “Beon Home” speichern, wie ein Bewohner sich im Haus bewegt und verhält, also in diesem Fall, wann er wo und wie lange Licht nutzt. Bei Abwesenheit simuliert die Lampe dann systematisch das gewohnte Verhalten. Der amerikanische Hersteller Stack hat eine intelligente LED-Lampe mit der Bezeichnung “Alba” kreiert, die momentan ebenfalls über Crowd-Finanzierung realisiert werden soll. Sie verfügt neben dem dimm- und färbbaren LED-Emitter über einen Bewegungsmelder und weiteren elektronischen Features. Auch diese Lampe ist lernfähig und passt seine Funktion die Lebensgewohnheiten der Bewohner an.

Andere Anbieter setzen mit LED-Lampen noch weitere Funktionen um. Der chinesische Hersteller Sengled stattet seine Lampe “Boost” mit einem WLAN-Repeater aus. Er hilft dabei, Funklöcher der drahtlosen Internetverbindung zu überbrücken. Vom gleichen Hersteller kommt auch die Idee der LED-Lampe “Snap” mit eingebautem Mikrofon und Videokamera, welche zur Raumüberwachung eingesetzt werden soll. In der Sengled “Pulse”, der “Playbulb” von MiPow oder der LED-Lampe “LSX 10” des Herstellers Scott ist ein Funklautsprecher eingebaut. Über eine Bluetooth-Verbindung kann die LED-Lampe drahtlos Musik vom Smartphone oder Tablet wiedergegeben.

Das waren noch Zeiten, in denen Lampen einfach nur den Raum erhellten. Stetig ist nur der Wandel. Noch ist die Zahl der vernetzten Haushalte überschaubar, doch glaubt man dem US-Marktforschungsunternehmen Gartner, soll noch dieses Jahr die Zahl der verbundenen Geräte in den privaten Haushalten auf fast drei Milliarden ansteigen. Der Fortschritt lässt sich vielleicht temporär ignorieren, aber nicht aufhalten.

Eine Antwort hinterlassen