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Aug 15

Ausgediente Lampen umweltgerecht entsorgen

Haben Lampen ausgedient, stellt sich zwangsläufig die Frage, wohin damit? Je nach Art der Lampen gibt es unterschiedliche Entsorgungswege. Einfach in den Müll werfen oder zum Recyclinghof bringen? Ausgediente LED- und Energiesparlampen beispielsweise dürfen keinesfalls über den Hausmüll entsorgt werden, weil sie elektronische Bauteile enthalten. So zu verfahren ist nicht nur umweltschädigend, sondern auch schlichtweg verboten. Einzelheiten regelt das “Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten” (kurz ElektroG).

Die umweltgerechte Entsorgung defekter Leuchtmittel soll zudem sicherstellen, dass wertvolle Bestandteile der Altlampen wie Glas und Metall nicht einfach verloren gehen, sondern der Wiederverwertung zugeführt werden, wo im Verlauf des Recycling-Prozesses auch nur in geringen Mengen enthaltene Schadstoffe fachgerecht entnommen werden können.

Obwohl ein bundesweites Netz von Sammelstellen und Abgabemöglichkeiten gewährleistet, dass ausgediente LED- und Energiesparlampen relativ einfach sowie kostenlos entsorgt werden können, greifen immer noch viel zu wenige Verbraucher darauf zurück. Jährlich landen immer noch rund 80 Millionen alter Energiesparlampen im Hausmüll oder warten in Keller und Garage auf eine korrekte Entsorgung.

Glühbirnen und Halogenlampen

Diese beiden Lampentypen sind, was die Entsorgung anlangt, am unkompliziertesten zu handhaben. Sie dürfen einfach in den Restmüll geworfen werden. Dieser Umstand hängt damit zusammen, dass sie weder elektronische Bauteile noch gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten. Es ist zu empfehlen, ausrangierte Glühbirnen mit irgendetwas zu umwickeln, damit sie durch den Fall in die oder durch Stöße in der Tonne möglichst nicht zerbrechen. Glühlampen gehören, auch wenn es vermeintlich naheliegt, nicht in den Glascontainer, denn die feinen Drähte sind beim Recycling kaum vom Glas zu trennen.

Energiesparlampen

Kompakt-Leuchtstofflampen, Halogen-Metalldampflampen, Leuchtstoffröhren sowie Neon-Lampen gehören zur Kategorie der Energiesparlampen und weisen alle einen gewissen Schadstoffgehalt auf. Gemäß dem geltenden Elektro- und Elektronikgerätegesetz dürfen diese Lampentypen daher nicht in den Restmüll entsorgt werden. Obwohl die an sich geringe Menge an Quecksilber für den Verbraucher – solange das Lampenglas unversehrt bleibt – völlig unbedenklich ist, müssen sie separat gesammelt und entsorgt werden. Unter den Oberbegriff Energiesparlampen (kurz ESL) fallen u.a. Niederdruck-Entladungslampen, Hochdruck-Entladungslampen und Speziallampen, wie Xenon-Kurzbogenlampen.

Niederdruck-Entladungslampen enthalten Edelgas und Quecksilber. Dies Leuchstoffe wandeln Strahlung in sichtbares Licht um. Zu ihnen gehören Energiesparlampen (CFC-I) und Leuchstoffröhren aller verschiedenen Bauformen. Auch Kaltkathodenröhren, gemeinhin Neonröhren genannt, fallen unter diese Kategorie. Bei den Hochdruck-Entladungslampen handelt es sich im Wesentlichen um HID-Lampen (High Intensity Discharge), welche Edelgas, Quecksilber, Natrium und seltene Erden enthalten.

Die gesetzlich vorgeschriebene Rückgabe will dafür sorgen, dass wertvolle Bestandteile der ausgedienten Lampen nicht verloren gehen und wieder zum Einsatz kommen. Kommunen sind angehalten, dafür spezielle Sammelbehälter bereitstellen, um den wiederverwertbaren Abfall sicher und unzerbrochen dem Recycling-Prozess zuzuführen .

LEDs

Licht emittiernde Dioden enthalten zwar keinerlei Schadstoffe, allerdings einige elektronische Bauteile. Es ist daher ebenfalls verboten, sie mit dem Hausmüll zu entsorgen. Handelt es sich um Anzeigeelemente elektronischer Geräte, verfährt man nach den Vorschriften für die Entsorgung der Geräte, in die sie eingebaut sind.

Rückgabemöglichkeiten in Ihrer Nähe

Neben der kostenlosen Rücknahme an Recyclinghöfen bieten viele Gemeinden nach wie vor den Service an, ausgediente Energiesparlampen an stationären oder mobilen Sondermüll-Annahmestellen abzugeben. Außerdem müssen Händler und Handwerksbetriebe Altlampen von Verbraucherinnen und Verbrauchern seit neuester Gesetzgebung entgegen nehmen.
Zudem gibt es inzwischen bereits  viele Geschäfte, die Lampen freiwillig und kostenlos zurück nehmen. Oft sind dafür Sammelboxen im Kassenbereich platziert. Um den Verbrauchern die Rückgabe ausrangierter Leuchten oder Leuchtmittel zu erleichtern, wurde von den großen Lampenherstellern die Lightcycle Retourlogistik und Service GmbH gegründet. Mit mehr als 9.000 Sammelstellen hat Lightcycle ein bundesweit flächendeckendes Rückgabenetz für Altlampen eingerichtet und die Zahl der Abgabestellen wächst ständig weiter. Wo sich die nächste Sammelstelle in Ihrer Umgebung befindet, lässt sich ganz einfach feststellen: Einfach Postleitzahl oder Wohnort in die Suchmaske der Sammelstellensuche eingeben.

Wiedergewinnung wertvoller Elemente

Hochdrucks-Entladungslampen erzeugen ihr Licht wesentlich effizienter als die abgeschaffte Glühbirne mit ihren Drahtwendeln. Sie erreichen das durch die Anregung von Quecksilberatomen zur Aussendung ultravioletten Lichts. Eine auf der Innenseite aufgebrachte Schicht aus verschiedenen Leuchtstoffen wandelt die energiereiche Strahlung dann in sichtbares Licht um. Ungefähr ein Fünftel dieser Leuchtstoffmischung besteht aus sogenanntem YOX, einer Yttriumoxid-Verbindung, die mit Europium dotiert ist. Sie ist verantwortlich für die warmen, roten Farbtöne des emittierten Lichts. Alte Energiesparlampen werden bisher in den meisten Fällen in Glas, Kunststoffe und Metallreste getrennt, das Quecksilber entsorgt oder wiedergewonnen. Das Leuchtstoffgemisch wird jedoch nur selten aufbereitet, sondern meistens in Speziallagern deponiert. Yttrium und Europium zählen aber zu den seltenen Erden, die in Smartphones, Handys und anderen Hightech-GerätenVerwendung finden. Diese Elemente sind ausgesprochen wertvoll, weil sie auf unserem Planet nur selten vorkommen, schwierig zu finden sowie nur sehr aufwendig abzubauen und aufzubereiten sind. Zudem erschwert die Lage der weltweit größten Lagerstätten in China einen dauerhaft gesicherten Zugriff. Es ist, als verberge sich ein Schatz in den Altlampen. Deshalb forscht man nach nun Wegen, die begehrten Metalle aus alten Energiesparlampen zurückzugewinnen, was sich zwar zunächst als umständlich, aber nicht als unmöglich erwies.

Neue Wege für umweltschonendes Recycling

Ein Vorreiter beim Recycling der kostbaren YOX-Verbindung aus Leuchtstoffen ist die belgische Firma Solvay, welche seit 2012 in einem Pilotprojekt das Leuchtstoffgemisch auftrennt, wozu aber noch riesige Mengen an Energie und Säuren aufzuwenden sind. Eine im wahrsten Sinne des Wortes andere Lösung fanden belgische Chemiker um Koen Binnemans an der Katholischen Universität Leuven. Sie trennen die Beschichtung nicht mittels Säuren, sondern verwenden eine funktionalisierte ionische Flüssigkeit, die lediglich den roten Leuchtstoff aus der Mischung herauslöst. Das gelöste YOX wird mit einem weiteren Verfahren aus der ionischen Flüssigkeit herausgefiltert und liegt anschließend mit einem Reinheitsgrad von 99,9 Prozent vor. Das reicht locker aus, um die YOX-Verbindung wieder als hochwertigen Leuchtstoff verwenden zu können.  Nach Einschätzung der belgischen Wissenschaftler müsste es möglich sein, bis zum Jahr 2020 etwa 25 000 Tonnen an seltenen Erden wieder aufzubereiten. Allerdings scheitert die gut gemeinte Prognose noch am allerersten Schritt der Wiederverwertungskette, nämlich der korrekten Rückgabe ausgedienter Energiesparlampen. Die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass bislang nur ungefähr 20 bis 30 Prozent der alten Lampen aus deutschen Privathaushalten getrennt gesammelt und richtig entsorgt werden, während der Rest, so fürchtet man berechtigterweise, einfach nur in Kellern herumliegt oder aber, was gar nicht sein darf, im Hausmüll endet.

 

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